50 Jahre Polizeihubschrauberstaffel Bayern

 

Suchen – Auffinden – Retten – Festnehmen
so lautet die Überschrift in der Zeitschrift „Bayerns Polizei“ I-2020 in der die Redaktion beim Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration neben den Erfolgen 2019 auf das in diesem Jahr anstehende 50-jährige Bestehen der Polizeihubschrauberstaffel Bayern hinweist.

Die Bundesvereinigung fliegendes Personal der Polizei, die seit ihrer Gründung 1989 den Besatzungen der PHuSt Bayern an den Standorten München und Roth zur Seite steht, gratuliert den Beschäftigten zu ihrem Jubiläum im September 2020 aufs Herzlichste und wünscht alle Zeit Many happy landings.

 

Geschichte der PHuSt Bayern – Auszug aus der Festzeitschrift 30 Jahre BfPP 1989 – 2019:

Die Gründung der PHuSt Bayern erfolgte im September 1970 mit Dienstsitz in Ottobrunn bei München im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972; vornehmlich zur Wahrnehmung von Verkehrsaufgaben.

Der damalige Bayerische Innenminister, Dr. Bruno Merk, kaufte beim Ottobrunner Hubschrauberhersteller Messerschmitt-Bölkow-Blohm einen Hubschrauber des Typs BO 105, obwohl zunächst weder Personal noch ein Standort für die nun neu aufgestellte Staffel zur Verfügung stand.

Übergangsweise wurden daher Piloten des Bundesgrenzschutzes nach Bayern abgeordnet und ein Übergangsstandort bei der Bundeswehr Neubiberg, südlich von München, eingerichtet.

Schnell wurde klar, dass die Unterstützung aus der Luft ein sehr zukunftsträchtiges Mittel der Wahl darstellen würde.
So wurde das Einsatzspektrum des Polizeihubschraubers nicht mehr nur auf Verkehrsmaßnahmen (Lenkung, Aufklärung) beschränkt, sondern darüber hinaus auf vielfältige weitere Aufgaben – wie z. B. Fahndungen, Vermisstensuchen, Berg- und Feuerlöscheinsätze – ausgeweitet. Dies diente als Grundstein, die Staffel von Jahr zu Jahr wachsen zu lassen.

Aufgrund der Größe Bayerns wurde im Jahre 1974 zudem eine Außenstelle der PHuStBy in Roth bei Nürnberg auf dem Bundeswehrgelände der Heeresflieger in der Otto-Lilienthal-Kaserne gegründet. Von dort aus deckt die Staffel aufgrund ihrer geografischen Lage bis heute hauptsächlich anfallende Einsätze im nordbayerischen Raum ab.

Wegen der überaus positiven Einsatzerfolge wurden bis 1987 Zug um Zug insgesamt acht BO105 und vier BK117 beschafft, um für polizeiliche Lagen auf ein ausreichendes und vielfältiges Spektrum an Hubschraubern und Einsatzmöglichkeiten zurückgreifen zu können.

Zug um Zug wurde das Aufgabenspektrum der PHuStBy ausgebaut und erfuhr neben den klassischen Such- und Fahndungseinsätzen schnell auch eine stetige Weiterentwicklung in den Bereichen der Bergrettung, Außenlastfliegerei, Wasserrettung und vielem mehr.

Im Jahr 1994 wurde für Polizeieinsätze in der Nacht das Fliegen mittels Restlichtverstärkerbrille (BiV) eingeführt. Infolgedessen konnten zunächst am Standort München und später auch in Roth ein 24-Stunden-Flugbetrieb etabliert werden. Seither kann sichergestellt werden, dass die Polizeihubschrauber effizient und bestmöglich verfügbar und einsetzbar sind.
Mit dieser 24-stündigen Einsatzbereitschaft des Polizeihubschraubers war die PHuStBy Vorreiter in ganz Deutschland.

Der „provisorische“ Standort in Neubiberg wurde 1998 endgültig aufgegeben und die Staffel zog zum Flughafen München „Franz-Josef Strauß“ um. Nahezu zeitgleich wurden, u. a. aus Lärmschutzgründen und zum Zweck der Mustervereinheitlichung, alle bis dato verwendeten Hubschrauber gegen neun neue Hubschrauber des Typs EC 135 ausgetauscht.

Innerhalb des Flughafengeländes musste die Staffel München umziehen; die Werft von der Halle 4 in die Halle 3 und die Verwaltung vom General Aviation-Terminal zur Halle 3…

Im Jahr 2010 wurden die ehemals neun geleasten Maschinen durch acht gekaufte Hubschrauber des gleichen Typs ersetzt. Diese wurden in den Jahren 2015 und 2016 dann auf den letzten Rüststand, die „P3“-Version, gebracht.

Die Standortproblematik zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der PHuStBy. Nach der Auflösung der Heeresfliegerstaffel der Bundeswehr in Roth war die Zukunft der Außenstelle dort lange ungewiss. Ein einst angedachter Umzug der Außenstelle zum Flughafen Nürnberg wurde nach aktuellem Sachstand aus den verschiedensten Gründen wieder verworfen und der Standort Roth wird wohl für die PHuStBy erhalten bleiben.

Auch die räumliche Zusammenlegung des Standortes München mit der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim bei München war bereits beschlossen worden. Das Gelände wurde durch den Freistaat Bayern erworben und erforderliche Genehmigungen eingeholt, der Umzug sollte 2017 stattfinden. Aufgrund eines erneut notwendigen Planfeststellungsverfahrens und diverser Widersprüche von Bürgern verzögern sich die Baumaßnahmen und der geplante Umzug jedoch bis auf Weiteres.

Die mit Stand Februar 2019 insgesamt 29 Piloten, 33 Flugtechniker und 17 Operatoren der PHuStBy tragen dazu bei, die potenziellen Möglichkeiten des Polizeihubschraubers bestmöglich auszunutzen. So wird der Hubschrauber in Bayern zusätzlich zu den oben genannten Spektren auch als Bildübertragungsplattform bei Großveranstaltungen genutzt oder Sonderdienststellen, wie z. B. das SEK/MEK, greifen auf die luftgestützte Komponente zurück. Ebenso eingesetzt werden bayerische Hubschrauber bei bundesweiten Unterstützungseinsätzen (z. B. G20-Gipfel in Hamburg), der Umsetzung des Luftraumschutzkonzeptes Bund und Länder, bei in- und externen Schulungen, Groß- und Terrorlagen und auch – unter strengen Voraussetzungen und nur mit speziell ausgebildeten Besatzungen – bei Nachtwindenbergungen in den Bergen unter BiV-Bedingungen.

Ihr Können mussten die Besatzungen in der Vergangenheit oft unter Beweis stellen:
Ein kleiner Ausschnitt der herausragenden Einsätze der letzten Zeit waren u. a.:

– Das Jahrhunderthochwasser in Bayern 2013
– Die Abbergung der Insassen der Tegelbergbahn, nachdem ein Gleitschirmflieger in die Tragseile geflogen war
– Der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum in München
– Das Höhlenunglück an der Riesendinghöhle bei Berchtesgaden
– Das verheerende Bahnunglück bei Bad Aibling mit einer Großzahl an Schwerverletzten.
– u. v. m.

Text: Delegierten der PHuStBy